Weihnachtszeit = Stauzeit – Das Warten lohnt sich (nicht!)

Veröffentlich am 13. Dezember 2011 durch ttreppke

“Nur kurz nach Deutschland einkaufen fahren…!” Vor allem in der Vorweihnachtszeit verschieben viele grenznah wohnhafte Schweizer ihren Einkauf ins günstige Ausland – und holen sich die Mehrwertsteuer zurück. So weit die Theorie, denn von “kurz” kann hier ja keine Rede sein.

So gleichen die Parkplätze aller Warenketten rund um Lörrach eher einer Sammelstelle für Schweizer Fahrzeuge. Eher trifft man am Samstag vormittag einen Deutschen in Australien als im Hieber. Es wird schweizerdeutsch gesprochen! Und alle sind sich einig: so lange sich an der Preispolitik in der Schweiz nichts ändert, haben Coop und Migros das Nachsehen. In der Vorweihnachtszeit nimmt dann auch die Anzahl innerschweizer Kennzeichen noch einmal deutlich zu. Die Autos werden vollgepackt bis unters Dach, oft auch auf Kosten der Sicherheit. In den Märkten an sich, hält sich das Chaos jedoch in den für die Jahreszeit entsprechenden Grenzen.

Fährt man nun wieder Richtung Heimat in der Annahme dass der grösste Stress nun rum ist, trifft man leise fluchend bei den Grenzübergängen Basel und Rheinfelden auf eine Blechlawine par Excellence. Wartezeiten von bis zu 2 2 Stunden sind jetzt keine Seltenheit mehr – und dies hauptsächlich um von einem genervten deutschen Zöllner einen Mehrwertsteuer-Stempel zu bekommen. So lange man unter der Freimenge bleibt spart man also (je nach Warenart) bis zu 20%. Das ist doch ein Wort…! Dann kommen aber noch die ganz “Schlauen” dazu, die sich wohl denken: “Meine kleine Welt…”. Diese Personen sind wichtiger als alle anderen. Bestimmt Ärzte die einen Patienten vor dem Tod retten müssen. Die Gattung dieser Egoisten vergrössert die Wartezeit aller anderen indem sie auf der rechten Spur am Stau vorbei fahren um sich dann – ca. 10m vor dem Zoll mit einer Wartezeit kleiner 5 Minuten – schnell wieder in die richtige Spur einordnen.

warterechnung 255x300 Weihnachtszeit = Stauzeit   Das Warten lohnt sich (nicht!)Eine kleine Rechnung verdeutlicht dies: die Staulänge am Zoll in Rheinfelden ist in Spitzenzeit bis zu 3km. Ein durchschnittliches Auto ist 5m lang, der Abstand zwischen zwei Fahrzeugen 2m. Es warten also geschätzte 430 Fahrzeuge darauf in die Schweiz zu reisen. 5% der Fahrzeugführer halten sich für etwas Besonderes und fahren an den anderen rechts vorbei = 21 Vollidioten. Je wartendem Fahrzeug kann eine Wartezeit von 90 Minuten als realistisch angesehen werden, also 409 * 90 = 36.810 Minuten oder 613.5 Stunden. Die Tatsache dass sich die Schlange immer wieder auffüllt lassen wir mal unbeachtet. Die “Extraschlauen” haben eine Fahrzeit von 2 Minuten plus 10 Minuten Wartezeit kurz vor dem Zoll, also 12 * 21 = 252 Minuten. Warum es immer noch Fahrzeugführer gibt, die solche Egomanen direkt vor sich einreihen lassen, verschliesst sich mir gänzlich.

Mal ganz ehrlich, warum füllen die regulär wartenden nicht einfach die rechte Spur auf? Die Gesamt-Warte- bzw. Fahrzeit beträgt 36.810 + 252 = 37.062 Minuten. In der Theorie müsste sich diese Zeit halbieren – tut sie natürlich nicht weil die Zöllner den Flaschenhals bilden – aber zumindest der Ärger über die “Extraschlauen” halbiert sich und weicht der Genugtuung. So lässt es sich doch deutlich entspannter warten.

Zurück zur Wartezeit aller Nicht-Im-Notfall-Befindlichen Ärzte: Die Wartezeit pro Person liegt also bei 90 Minuten. Bei einem Durchschnittslohn von 5.500 CHF und einer Netto-Arbeitszeit von 120 Stunden pro Monat entspricht dies einem Stundenlohn von 45.80 CHF. Da dies Freizeit ist, halbieren wir diese Zahl: 22.90 CHF Stundenlohn in der Freizeit. Mal 90 Minuten = 34.35 CHF! Das ist mir meine Freizeit definitiv Wert. Da gehe ich persönlicher lieber biken oder am Wochenende ins Büro.

Das war aber nur das Warten IM Auto. Jetzt folgen nochmal mindestens 10 Minuten warten auf den Stempel, also 3.80 CHF. Eine Grenzkontrolle ist in der Regel mit Basler oder Aargauer Kennzeichen zu dieser Stresszeit (ja, auch die Zöllner haben Stress) fast ausgeschlossen – die Innerschweizer und 18 Jährigen Russen mit Ferraris müssen dran glauben.

Ein grenznaher Schweizer muss durschnittlich 30kmFahrtstrecke rechnen bis zum Einkaufsparadies Deutschland und wieder zurück. Auf der Hinfahrt wird dabei 1 Liter Benzin im Wert von 1.70 CHF verbrannt. Auf dem Rückweg mit Stau um die 8 Liter, insgesamt also 15.30 CHF. Das sind 15.30 CHF mehr, als beim Coop im Ort!

Die Freimenge liegt grundsätzlich bei maximal 300 CHF. Davon können maximal 19% zurück geholt werden, also 57 CHF. Zieht man hiervon jetzt Benzin und Wartezeit ab (57 – 34.35 – 15.30-3.80) bleibt ein Netto-”Gewinn” von 3.55 CHF. Und selbst der wird noch mit der Hinfahrt zum Laden vernichtet!

Eine Minute Lachen pro Tag verlängert mein Leben um fünf Minuten. Eine Minute heftiger Ärger verkürzt mein Leben aber um 10 Minuten. Von den 90 Minuten Stauzeit ärgere ich mich 10 Minuten gar nicht, 10 Minuten telefoniere ich mit Freunden, 10 Minuten ärgere ich mich ein wenig wegen den Neumalklugen Rechtsfahrern. In den restlichen 60 Minuten steigt mein Stresslevel extrem stark an und ärgere mich immer mehr. Gehen wir von 30 Minuten maximaler Erregung aus. Dies entspricht 300 Minuten weniger Lebenszeit. Ui icon smile Weihnachtszeit = Stauzeit   Das Warten lohnt sich (nicht!) Schickt die Rentner zum einkaufen und der Generationenvertrag kann wieder erfüllt werden…

Also ganz ehrlich, sind 3.55 CHF das Wert, dass der Schweizer Einzelhandel die Segel streichen muss? Zugegeben, bei uns ist zwar alles etwas teurer – aber dafür viiiiiel enspannter!

In diesem Sinne, happy Shopping icon smile Weihnachtszeit = Stauzeit   Das Warten lohnt sich (nicht!)

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